Auf den Spuren der Drei König

C + M + B

Jetzt ziehen sie wieder durch die Straßen, von Haustür zu Haustür, die “kleinen” Nachfolger der Drei Könige aus dem fernen Osten und singen vom Stern über Bethlehem.

Und zum Segen und Zeichen ihres Besuchs schreiben sie ihre Initialen an den Türstock oder die Türe.

Doch halt, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Denn C + M + B sind nicht die Initialen von Caspar, Melchior und Balthasar. Nein, diese Abkürzung steht vielmehr für Christus mansionem benedicat, was soviel heißt wie Christus segne dieses Haus.

Außerdem ist meistens von den Heiligen Drei Königen die Rede. Auch das ist nicht korrekt. Denn die drei Sterndeuter oder Weisen wurden von der katholischen Kirche nie heilig gesprochen.

Und nur ein einziger der vier Evangelisten, Matthäus (nein, nicht der Fußballer!), spricht von ihnen. Aber er erwähnt weder ihre Zahl noch ihre Heimatländer, in die sie später zurückkehrten.

Und trotz allem dürfen heute die Drei bei keiner Krippendarstellung fehlen (bei uns haben sie sich ebenfalls schon auf den Weg gemacht).

Knapp 1200 Jahre nach der Entstehung des Matthäus-Evangeliums werden die Reliquien der drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar feierlich in die freie Reichsstadt Köln überführt. Und jeder, der dabei war, glaubte wirklich: Dies sind die Gebeine der drei Personen aus dem Morgenland, die, von einem Stern gelenkt, nach Bethlehem zogen, den neugeborenen Jesus fanden und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe schenkten!

So entstand ein unglaublicher Wallfahrtsboom nach Köln, der sich bis heute erhalten hat.

Wer mehr über die weite Reise der Gebeine der Drei Könige erfahren möchte, kann sich gerne die KMZ-Datei für Google Earth runterladen, die ich vor längerer Zeit mal zusammen mit einem guten Bekannten für ein Projekt erstellt habe.

Viel Spaß!

Guten Rutsch …

Frohes neues Jahr

ins neue Jahr und alles Gute für 2012 wünsche ich euch!

Doch warum “rutschen” wir eigentlich ins neue Jahr?

Nun, rutschen im eigentlichen Sinne ist damit nicht gemeint. Vielmehr gibt es für diese Redensart zwei Haupt-Herleitungserklärungen.

Bei der meist bekannten Erklärung soll das hier gemeinte rutschen aus dem Jiddischen bzw. Rotwelschen stammen, nämlich von rosch haschana. Das bedeutet soviel wie “einen guten Kopf (Anfang) des Jahres”.

Diese Herleitung wurde aber von Walter Röll 2002 mehr oder weniger widerlegt. Denn das westjiddische Neujahrsfest hieße rausch haschono/-ne oder rauschaschone/-scheschone und nicht etwa rosch haschana. Und dass aus rausch rutschen entstehe, sei sehr unwahrscheinlich. Ebenso spräche die Tatsache gegen diese Herleitung, da die Termine des christlichen und des jüdischen Neujahrsfestes nicht zusammenfallen. Außerdem seien auch die jiddischen Bezeichnungen für die jüdischen und christlichen Feiertage unterschiedlich.

Der zweite Herleitungsansatz entstammt aus schon älteren Wörterbüchern, in denen die übertragene Bedeutung des Verbs “rutschen” als “reisen” zu finden ist.

Wie dem auch sei: Nichts Genaues weiß man nicht.

Wichtig ist letztendlich auch nur, dass der/die Gegenüber weiß, was und wie es gemeint ist. Und das steht wohl außer Frage.

In diesem Sinne, kommt gut rüber!
Stephan

2. Advent und die Sache mit den Kirschzweigen

2. Advent

Falls ihr in den kommenden Tagen Kirschzweige in eine Vase stellt, werden diese zu Weihnachten blühen. Nun ja, garantieren kann ich das nicht. Aber ich bin mir doch ziemlich sicher, dass ihr wisst, auf welche Legende dieser Brauch zurückgeht, oder?

Also gut, hier die kurze Erklärung.
Im 3. Jahrhundert lebte in Nikomedia, dem heutigen nördlich von Istanbul liegenden Izmit, die Tochter eines reichen Kaufmanns mit Namen Barbara. Gegen den Willen ihres Vaters bekannte sich die junge Frau zum Christentum. Trotz härtester Strafandrohungen schwor sie der neuen Religion nicht ab. Wenig später richtet man sie grausam hin.

Der Brauch mit den Zweigen geht auf ihre Gefangenschaft zurück. In ihrer Zelle soll sie angeblich einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Wasser aus ihrem Trinkgefäß gegossen haben, der dann etwas später, am Tag ihrer Verurteilung zum Tode, zu blühen begann.

Und heute, am 04.12. und gleichzeitig 2. Advent, wird das Patrozinium (Namenstag) der Schutzpatronin der Bergleute, Hüttenleute, Geologen, Glöckner, Glockengießer, Schmiede, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Architekten, Artilleristen, Pyrotechniker, Feuerwehrleute, Helfer des Technischen Hilfswerks, Totengräber, Hutmacher, der Mädchen und der Gefangenen und eine der sogn. vierzehn Nothelfer gefeiert.

Und ihr feiert zumindest einen schönen zweiten Advent.

In diesem Sinne, ne schöne Jrooß
Stephan

PS: Danke, Bernd, für deine Recherche! Vielleicht machen wir zusammen ja wieder mal ein Weihnachtsrätsel.

Buch aufschlagen

Ganz alltäglich in unserem Sprachgebrauch ist die Formulierung z. B. in der Schule “schlagt mal das Buch auf“.

Aber wieso heißt es meistens aufschlagen und nicht aufklappen oder öffnen (was als Verb natürlich auch genutzt wird) ?

Nun, zur Erklärung gehen wieder wieder mal ein paar Jahrhunderte zurück. Früher waren die Buchdeckel meist aus Holz. Diese wurden, um die Seiten zu schützen und wohl auch zu glätten, durch Metallklammern zusammengehalten. Um das Buch schnell zu öffnen, schlug man auf den Deckel und die Klammern sprangen auf. Das Buch wurde also aufgeschlagen.

Eine weitere Erklärung ist, dass beim Öffnen des Buches die schweren Deckel auf die Unterlage aufschlugen.

Ich finde die erste Variante allerdings als eher wahrscheinlich. Denn schließlich schlage ich als Leser im Sprachgebrauch das Buch auf. Es heißt nicht, das Buch schlägt auf.

Aber vielleicht seid ihr ja anderer Meinung?

In diesem Sinne, ne schöne Jrooß
Stephan

Keinen Pappenstiel wert

Und wieder mal so eine Floskel, die ich hier kurz erklären möchte.

Das Wort Pappenstiel leitet sich wahrscheinlich vom Stiel des Löwenzahns ab. Dieser wurde im niederdeutschen/niederländischen Papenblome (Pfaffenblume) genannt. Im lateinischen hieß er wegen seines weißen Haarkranzes pappus. Der Löwenzahn wurde früher aufgrund seiner weiten Verbreitung nur gering geachtet.

Wenn man also etwas mit einem Pappenstiel verglich, war dieses so wertlos wie besagter Löwenzahn.

Ich mag die Blume, besonders im Frühjahr als Salat mit hartgekochten Eiern und warmen Kartoffeln.

In diesem Sinne, ne schöne Jrooß
Stephan

Auf den Hund gekommen

Wer auf den Hund gekommen ist, befindet sich nach heutigem Sprachgebrauch entweder in einer wenig angenehmen Lage oder ist frischgebackener Hundebesitzer.

Die Herkunft dieser Redensart lässt aber eher auf Ersteres schließen, denn alle Möglichkeiten der Entstehung basieren auf einen eher negativen Zustand.

Hier sind zwei Deutungsmöglichkeiten:

  • In manchen Kassen- oder auch Aussteuertruhen wurde als Wächter ein Hundekopf auf den Boden gemalt. War die Aussteuer oder das Geld in der Truhe ausgegeben, man selber also pleite, wurde der Hundekopf sichtbar. Man war auf den Hund gekommen.
  • Im Bergbau werden zum Abtransport von Abraum sogn. Hunte verwendet. Das sind kleine, offene Waggons, die früher aus Holz und heute aus Metall bestehen. Wenn ein Bergmann früher nicht mehr in der Lage war, vor Ort zu arbeiten, wurde er zum Schieben der Hunte eingesetzt. Diese Arbeit wurde weit schlechter bezahlt, als die z. B. eines Hauers.

Ihr seht, eindeutig kann auch hier die Herkunft nicht geklärt werden. Und wie bei fast allen Redewendungen gilt auch hier wieder: “Nichts Genaues weiß man nicht.”

In diesem Sinne, ne schöne Jrooß
Stephan

Türmen

Nein, das ist jetzt kein Aufruf an euch, liebe Leser, meine Website schnellstmöglich wieder zu verlassen. Dafür gäbe es auch -hoffe ich- keinen Grund und ist von mir absolut nicht gewünscht.

Vielmehr möchte ich mal wieder einen weiteren Begriff erklären, der -wie soll’s auch anders sein- seinen Ursprung in früher Vergangenheit hat.

Für die Herkunft des Begriffs türmen werden zwei Möglichkeiten in Betracht gezogen.

Möglichkeit 1:
Im Mittelalter waren die Zeiten nicht immer sicher und es gab damals wie heute den ein oder anderen Nachbarschaftsstreit. Dieser wurde weniger juristisch denn handgreiflich ausgefochten (heute ist das meist umgekehrt). Aus diesem Grund besaß (fast) jede Burg einen sogn. Bergfried oder Wehrturm. Auf / in diesen zog man sich zurück, wenn der angreifende Feind die Burg erstürmt hatte. Dieser Rückzug wurde aus Sicht des Angreifers türmen genannt.

Möglichkeit 2:
In der Vergangenheit wurden gerade in Städten die Gefängnisse meist in Stadttoren bzw. Türmen untergebracht. In Köln war dies z. B. das Hahnentor. Wenn ein Gefangener es tatsächlich mal geschafft hatte, diesen Turm unrechtmäßig zu verlassen, sprach man davon, dass er getürmt sei.

So, wieder was gelernt ;-) .

In diesem Sinne, ne schöne Jrooß
Stephan

Ins Fettnäpfchen treten

Wem ist es nicht schon passiert?
Ehe man sich versieht, mitten rein in den nächsten Fettnapf.
Heutzutage macht man sich dabei aber wenigstens nicht mehr die Füße oder das gute Schuhwerk schmutzig. Damals aber, in der Zeit, aus der diese Redensart stammt, war dies etwas anders.

Früher war es üblich, den guten Schinken in der Küche an die Decke zu hängen. Die Wärme sorgte langsam dafür, dass das Fett flüssig wurde und vom Schinken tropfte. Damit dieses den Boden nicht verschmutzte, stellte man einen kleinen Teller oder Napf unter, in dem das Fett aufgefangen wurde. Wer nun nicht aufpasste und in diesen Fettnapf trat, machte sich zumindest bei der Küchenmagd unbeliebt, die die Sauerei wieder entfernen musste. Und damals gab es keine glasierten Fliesen!

Aus dem Stegreif

Ihr habt richtig gelesen. Stegreif wird ohne “h” geschrieben. Denn der Begriff hat nichts mit dem Verb ‘stehen’ zu tun. Er ist vielmehr mit dem Steigbügel am Pferdesattel verwandt.

Der untere Teil, auf dem der Fuß abgestellt wird, hieß Steg. Der Bügel, der sich im Bogen darüber anschließt, wurde Reif genannt.

Damals wie heute war und ist es oftmals notwendig, seine Untergebenen für eine Sache zu motivieren. Vorallem wenn man als Heerführer seine Soldaten auf die bevorstehende Schlacht einstimmen musste. Damit man auch in der letzten Reihe gesehen und gehört werden konnte, blieb man dabei nicht einfach im Sattel sitzen, sondern stellte sich in die Steigbügel. Und da solche Ansprachen vorher selten von irgendeinem Ghostwriter geschrieben wurden, motivierte der Feldherr seine Soldaten mit einer spontan gehaltenen Rede, also aus dem Stegreif.

Einen Zahn zulegen

Wieder geht es um eine Redewendung, die sicher jeder von euch schon mal benutzt hat, ohne allerdings groß nach deren Herkunft zu fragen. Bevor ich hier aber eine Erklärung dazu abgebe, möchte ich euch erstmal fragen, ob ihr eine Idee habt oder sogar wisst, woher diese Redensart kommt?

Alex von offenesblog.de brachte mich auf diese Idee.

Also, was meint ihr ?

Gut, bevor der Andrang bei den Kommentaren zu groß wird, hier nun die Antwort:

Zahn zulegen

Es mag sein, dass der ein oder andere die Redewendung nutzt und dann einen Termin beim Zahnarzt seines Vertrauens macht. Doch sie hat nichts mit dentalen Restaurationsplanungen zu tun.

Nein, sie stammt -wie viele andere Redensarten auch- aus dem Mittelalter. Damals wurde zum Kochen meist ein großer Kessel an einer Art Zahnstange über das offene Herdfeuer gehängt. Je nachdem auf welche Höhe man den Topf hängte, konnte man die Gargeschwindigkeit regulieren. Kündigten sich unerwartet Gäste oder eventuell auch vorzeitig der Ehemann zum Essen an, musste man (Frau) zusehen, dass das Essen schneller fertig wurde. Man hakte den Kessel an einem der unteren Zähne der Stange ein, damit er dichter über dem Feuer hing. So legte man damals einen Zahn zu.

Der Duden erklärt diese Redensart noch mit einer aus einem Zahnkranz bestehenden Arretierung des Handgashebels bei den ersten Autos.