Römische Ziffer für vier Uhr

Ich behaupte mal, dass ihr mir nicht die richtige Antwort geben könnt, wie die römische Ziffer für vier auf eurer Uhr aussieht!
IV sagt ihr?
Höchstwahrscheinlich falsch!
Es ist nämlich meistens IIII.

Und das hat – wie so oft – seinen Ursprung in der Geschichte, genauer in der Antike.

IV stand in der römischen Antike für die Anfangsbuchstaben der obersten Gottheit Jupiter (IU bzw. JU). Und diesen mit einer profanen Uhrzeit auf einer Sonnenuhr gleichzusetzen, wäre äußerst blasphemisch gewesen.

Zudem haben die vier Striche IIII auch ihren Ursprung in der Art zu zählen. Früher (und manchmal auch noch heute) wurde Vieles mit den Fingern abgezählt. Drei Finger, drei Striche, vier Finger, vier Striche, fünf Finger… Nun, um das Ganze übersichtlicher zu machen, kreuzte man die vier vorhandenen Striche diagonal mit dem fünften (das kennen wir auch heute noch von unseren Bierdeckeln ;-) ).

Aus diesem durchgestrichenen Viererblock entwickelte sich, um Zeit zu sparen, das V als Zahlzeichen für fünf. Und da zweimal fünf bekanntlich zehn ergibt, entwickelte sich diese aus zwei V, und zwar V und ein umgekehrtes ^ zur römischen X.

Zurück zu unserer Uhr. Die Schreibweise IIII behielt man bis weit ins Mittelalter bei der Zeitmessung bei. Später sollen dann die Französischen Könige Charles V und Louis XIV diese Schreibweise vorgeschrieben haben.

Bis heute sieht man bei etwa 90% aller Uhren mit römischem Ziffernblatt eine IIII statt der IV.
Schaut mal nach.

In diesem Sinne, ne schöne Jrooß
Stephan

Sich verhaspeln

Kennt ihr diese oder eine ähnliche Situation auch z.B. aus eurer Schulzeit?

Ihr steht an der Tafel, sollt eine Aufgabe lösen und irgendwie verstrickt ihr euch immer mehr in der Problemstellung. Und bei der Präsentation des Ergebnisses nach einer gefühlten Ewigkeit des Gehirnmarterns bekommt ihr als Kommentar vom Lehrer: “da hast du dich aber odentlich verhaspelt”. Das war also wohl nichts.

Und schon erscheint ein weiteres, imaginäres Fragezeichen vorm inneren Auge: woher kommt eigentlich diese Redewendung?

Nun, da müssen wir mal wieder einige Jahrzehnte in die Vergangenheit reisen.

Damals wurde noch in Handarbeit Wolle, Flachs oder Hanf zu Garn versponnen. Dieses Garn wurde dann auf einer Haspel aufgewickelt, um es später zu verkaufen. Manche Haspeln gaben dabei ein lautes Klacken von sich, wenn eine Fadenlänge (damals eine Maßeinheit) erreicht wurde. Überhörte man dieses Signal, verkaufte man später zuviel Garn für den gleichen Faden-Preis. Sehr ärgerlich.

Es konnte aber auch passieren, dass das Garn beim Aufwickeln von der Haspel abrutschte und sich ganz schnell um das Arbeitsgerät wickelte . Diesen Fitz wieder zu entwirren, war -wenn überhaupt möglich- eine zeitraubende Arbeit. Man hatte sich ordentlich verhaspelt.

Also, beim nächsten Mal wenn irgendwie nichts geht, wisst ihr wenigstens, woher dieses Sprichwort stammt.

In diesem Sinne, ne schöne Jrooß
Stephan

Alles in Butter

Heute geht es um die Redewendung Alles in Butter. Es wäre schön, wenn man das häufiger sagen könnte.
Aber woher kommt eigentlich diese Redensart?

Sie hat ihren Ursprung im Mittelalter. Damals gab es noch keine Schaumstoffverpackungen oder Styroporformen, die zerbrechliche Waren vor Beschädigungen schützten. Auch der Transportweg selbst führte oft durch unwegsames Gelände. Deshalb wurden z.B. Glaswaren, die aus Venezien über die Alpen nach Nordeuropa transportiert wurden, in Butterfett verpackt. Dazu legte man zunächst die zu sichernden Gegenstände in Holzkisten. Diese wurden dann mit dem warmen, flüssigen Fett ausgegossen. Das so zweckentfremdete Nahrungsmittel kühlte nach einer Weile ab, wurde wieder fest und schützte so das zerbrechliche Transportgut.

Heute habe wir es da gottseidank etwas “leichter”.

Es zieht wie Hechtsuppe

Oft nutzen wir Redewendungen im täglichen Sprachgebrauch, von denen wir eigentlich garnicht genau wissen, woher sie kommen oder was ihre ursprüngliche Bedeutung ist.

In der noch recht jungen Kategorie “Wusstet ihr…” möchte ich nach und nach mal etwas über die Herkunft einiger bekannter Sprichworte schreiben. Vielleicht interessierts euch ja auch.

Heute fange ich mal mit der Redewendung “Es zieht wie Hechtsuppe” an.

Vielleicht habt ihr gerade gedacht: “Ich weiß, das kommt aus dem Jiddischen von hech supha”.
Zugegeben, das ist die bekannteste Erklärungsvariante über die Herkunft dieser Redensart. Doch für viele Sprachforscher ist diese falsch.
Richtig ist zwar, dass “hech” mit “wie” und “supha” mit “Sturmwind” übersetzt wird. Falsch ist aber die inhaltliche Bedeutung. Denn “hech” hat nicht die vergleichende Bedeutung des deutschen Wortes “wie”, sondern die eines Fragewortes. So wird aus “hech supha” nicht “wie ein Sturmwind” sondern “Wie? Sturmwind!”.

Ein weiteres Argument, das gegen die landläufige Herkunftserklärung spricht, ist die Tatsache, dass “hech supha” in keiner einzigen jiddischen Niederschrift jemals erwähnt wurde. Eine Floskel, die es nicht gibt, kann daher auch nicht falsch verstanden und lautmalerisch in eine andere Sprache übernommen werden.

Wahrscheinlich stammt die Redensart doch von der Fischsuppe, die in Preußen relativ scharf gewürzt war. Das Brennen im Mund wurde häufig als ziehen beschrieben. Auch zu Schmerzen in der Brust sagte man oft: “Dat tit wie Hechtsupp”.

Ganz klären lässt sich die genaue Herkunft wohl nicht. Man kann nur sagen, welche die wahrscheinlichste ist.
Trotz allem: wir wissen ja, was gemeint ist. Oder was meint ihr?

Leckeres Hüftgold

4. Advent

Früher war der Advent eine Fastenzeit ähnlich wie heute (eigentlich) noch die Passionszeit vor Ostern. Doch davon ist nichts mehr übrig geblieben. Denn die Regale in den Geschäften sind voll mit Leckereien, an denen man kaum vorbeigehen kann.

Für viele gehört z. B. auch der Marzipan fest zur weihnachtlichen “Vorbereitungszeit”. Meine Frau gehört zu denjenigen.

Und wer hat’s erfunden?
Ganz klar, die Lübecker!

Doch jetzt müsste -ähnlich wie in der Werbung- eigentlich jemand am Handtuchzipfel ziehen. Denn obwohl Lübeck eng mit dem Marzipan verbunden ist, wurde dieser dort nicht erfunden.

Der wahre Ursprung dieses leckeren, aus Mandeln, Zucker und Rosenwasser hergestellten Hüftgoldes liegt im arabischen Raum. Über den Handelsplatz Venedig erreichte die süße Spezialität erst im 13. Jahrhundert Europa. Im gleichen Jahrhundert wurden dann aber auch schon in Lübeck Mandeln als Grundrohstoff für Marzipan eingeführt. Und in den Archiven der alten Hansestadt lagern Dokumente aus dem 16. Jahrhundert, die die ersten Versuche zur Herstellung von Marzipan dokumentieren.

Die Lübecker waren also nicht die Erfinder, aber sie haben schon früh den Grundstein für die dortige Marzipan-Tradition gelegt.

Heute ist die Grundrezeptur in einer RAL-Verordnung festgelegt. Danach darf sich Marzipan nur dann “edel”“ nennen, wenn dieser einen Anteil von 90 Prozent Marzipanrohmasse enthält.

In diesem Sinne: guten Appetit!

Weihnachtsbrauchtum aus dem Mittelalter

3. Advent

Weihnachtliche Festlichkeiten beschränkten sich im Mittelalter fast ausschließlich auf die Christmetten in den Kirchen. Einige der in den Gottesdiensten abgehaltenen Rieten bestimmen auch heute noch in abgewandelter Form unser Weihnachtsbrauchtum.

Vor dem eigentlichen Gottesdienst wurde ein Krippenspiel aufgeführt, um auch den Menschen, die nicht lesen und schreiben konnten, die frohe Botschaft von der Geburt des Heilandes nahezubringen. Diese Krippenspiele finden auch heute -meist in Kindergottesdiensten- vielfach noch statt.

Ein immergrüner Zweig oder Baum durfte in keiner Christmette fehlen. Er symbolisierte als “Paradiesbaum” den Sündenfall im Paradies und die Hoffnung auf das neugeborene Kind als Erlöser aller Menschen. Aus diesem Paradiesbaum entwickelte sich über die Jahrhunderte unser Weihnachtsbaum, der in kaum einem Wohnzimmer oder Vorgarten fehlen darf.

Ich wünsche euch einen schönen 3. Advent.

Advent?!

Zweiter Advent

Letztens habe ich einen Bericht gesehen, in dem Leute auf der Straße u. A. befragt wurden, was Advent eigentlich heißt und woher der Adventskranz kommt.

Die Antworten waren abenteuerlich und selten richtig. Daher hier mal ein kurzer “Aufklärer” für all diejenigen, die ich nun verunsichert habe.

Advent kommt vom lateinischen “adventus” und heißt soviel wie “Ankunft”. Die Christen gedenken der Geburt Jesu und bereiten sich in dieser Zeit auf seine “Ankunft” vor. Mit dem 1. Advent beginnt außedem das neue Kirchenjahr.

Zum Adventskranz eine kurze Erklärung:

Der Begründer der Inneren Mission Johann Hinrich Wichern (1808 -– 1881), der angesichts des Kinderelends das Rauhe Haus in Hamburg eröffnete, hat den Adventskranz zu einem christlichen Zeichen gemacht. Ab 1840 wurde im Rauhen Haus an jedem Tag im Advent eine Andacht gehalten. Wichern erzählte von Advent und Weihnachten. 24 Kerzen standen auf einem großen Holzreifen, der an einem Kronleuchter aufgehängt war. Jeden Tag wurde eine Kerze mehr angezündet. An Weihnachten brannten alle 24 Kerzen. Weil den Jungen und Mädchen dieser Holzreif mit den 24 Kerzen so gut gefiel, schmückten sie ihn ab 1851 noch mit Tannenzweigen, als Zeichen für das Leben. So hing vor über hundert Jahren im Rauhen Haus in Hamburg der erste Adventskranz.

Na, wer hätte es gewusst?

Nikolaus, wer war er wirklich?

Nikolaus von Myra

Seid mal ehrlich: Wenn ihr den Namen Nikolaus hört, seht ihr dann nicht auch diesen netten, älteren, pausbäckigen, etwas rundlichen Herrn mit roter Jacke und Zipfelmütze vor eurem inneren Auge? Nun, da geht es euch nicht viel anders wie den meisten von uns.
Doch wer war der wahre Nikolaus?
Die richtige Antwort muss hier heißen: niemand.
Niemand? Richtig, denn der uns so vertraute Nikolaus ist nach den neuesten Analysen zufolge eine fiktive Person, die sich aus zwei historischen Personen gebildet hat. Zum einen ist das der Bischof Nikolaus von Myra im kleinasiatischen Lykien, der wahrscheinlich im 4. Jahrhundert gelebt hat. Zum anderen der Abt Nikolaus von Sion, der Bischof von Pinora war und am 10.12.564 in Lykien starb.

Frühe Abbildungen zeigen diese Figur mit Bischofstab, Mitra und Bischofsgewand. In einigen Regionen waren diese rot dargestellt. Bis zu den 1920er Jahren entwickelte sich daraus der Vorläufer der uns bekanntesten Figur. In den 1930er Jahren wurde diese von einer Limonaden-Firma als wohl eine der größten Werbeträger weiterentwickelt und auch als Weihnachtsmann vermarktet.

Tja, was dann wohl mit dem “Christkind” ist?

In diesem Sinne, ne schöne Jrooß
Stephan